SCHWEIZER MEISTERSCHAFT STEINSTOSSEN
Cavelti und Hutmacher mit je zwei Titelgewinnen
Während sich drei Steinstösser in die vier Schweizer-Meister-Titel teilten, dominierte die Nationalliga-A-Fussballerin Sina Cavelti in Schwellbrunn die Konkurrenz bei den Frauen.
Bei den Frauen hatte zuerst die Appenzeller 17-Meter-Kugelstösserin Miryam Mazenauer mit ihrerTeilnahme für Aufregung gesorgt. Die Akzente sowohl mit dem 6- wie mit dem 12,5-kg-Stein setzte dann allerdings NLA-Fussballerin Sina Cavelti. Die Wollerauerin schnappte sich zweimal mit klarem Vorsprung ab dem ersten Durchgang ihre Titel Nummer 4 und 5. Am Vortag hatte das athletische Talent noch mit dem FC St. Gallen Meisterschaft gespielt. «Ich musste mich mit einem Steinstosstraining begnügen», erklärte sie halb entschuldigend, halb bedauernd. Sie habe technisch unsauber gestossen.
Anspruchsvoller Wechsel
Miryam Mazenauer eroberte immerhin Silber mit dem leichten Stein, musste aber erkennen, dass das Umsetzen des Anlaufes trainiert sein will. Elisabeth Santner, mit elf Schweizer-Meister-Titeln die erfolgreichste Steinstösserin des
Landes, blieb Bronze mit dem 6- und Silber mit dem 12,5-kg-Stein.
Zwei Überraschungen
Nach klarer Bestweite in der Vorrunde sah sich Titelverteidiger Urs Hutmacher mit dem 12,5-kg-Stein im Final vom Ostschweizer Roger Gröbli überrumpelt. Schliesslich siegte dieser mit klarem Vorsprung auf den Zürcher. Dasselbe Schicksal ereilte Hutmacher mit dem 18-kg-Granit. Diesmal gelang Oldie Simon Hunziker der perfekte Stoss. Der 44-jährige Fricktaler feierte damit seinen 18. Schweizer-Meister-Titel, was neuen Rekord bedeutet.
Eindrückliche Reaktion
Nun wars aber genug für den überragenden Steinstösser der letzten Jahre. Der 32-jährige Weisslinger legte den Schalter um und dominierte mit dem 40- und dem 73-kg- Stein. Beide Male setzte er sich vor Simon Hunziker und Benedikt Büchenbacher durch und kratzte gar an den Schweizer Rekorden. Vor allem die 40er-Bestmarke von Hunziker hätte Hutmacher nur zu gerne geknackt. Eine eindrückliche Machtdemonstration wars aber trotzdem.
SCHWEIZER MEISTERSCHAFT STEINHEBEN
Stefan Reutegger hielt dem Druck stand
Lokalmatador Stefan Reutegger krönte die Schweizer Meisterschaft im Steinheben in Schwellbrunn mit seiner souverän umgesetzten Titelverteidigung. Bei den Frauen entthronte die Zürcherin Andrina Frauenfelder die routiniertere Bernerin Marina Böhlen.
Alles drehte sich an dieser Doppel-SM in Schwellbrunn um Stefan Reutegger. Die Erfolge des dominierenden Steinhebers veranlasste seinen Turnverein, die nationalen Titelkämpfe zu organisieren. Als Mitglied des OK war das Aushängeschild auch am Empfang der
Ehrengäste und Sponsoren anwesend, allerdings nur mit einem Glas Mineralwasser in der Hand.
Leistung auf den Punkt
Von der grossen Aufmerksamkeit um seine Person liess sich Stefan Reutegger nicht verrückt machen. Tags zuvor erhielt er noch psychologische Tipps von Bob-Olympiasieger
Beat Hefti. Schon nach der Vorrunde zeichnete sich die erfolgreiche Titelverteidigung
ab. Mit 80 Hebungen führte Reutegger das überraschend grosse Feld mit 43 Teilnehmern
klar an. Im Halbfinal setzte sich der Favorit mit 38:29 Hebungen gegen Willi Oertle problemlos durch.
«Im Final konnte ich gegen Vereinskollege Beni Scherz nur verlieren», erklärte der spätere Finalsieger. Doch von Nervosität war vor grosser Kulisse nichts zu spüren. Stefan Reutegger zog sein Ding konzentriert durch. Als Scherz nach 30 Hebungen den 22,5-kg- Stein absetzte, hob der Favorit bis 35 Ausführungen weiter, und liess sich dann feiern. Sein fünfter Titelgewinn in Serie war eine Machtdemonstration. Scherz zeigte sich seinerseits zufrieden. «Ich hatte ja nichts zu verlieren.»
Kraft ging Böhlen aus
Bei den Frauen massen sich immerhin 19 Athletinnen mit dem
12,5-kg-Stein. Hier fehlte nach der Vorrunde eine klare Leaderin. Titelverteidigerin Marina Böhlen sah sich bei 89 Hebungen von den Mitfavoritinnen Andrina Frauenfelder und Myriam Gysin um eine Einheit übertroffen. Dennoch gelang Böhlen der Finaleinzug. Im Endkampf erwies sich die um 15 Jahre jüngere Frauenfelder als ausdauernder. «Mir ging die Kraft aus», gestand Böhlen. Die Zürcherin strahlte nach dem 55:48-Sieg. Drei Jahre nach Silber hatte sie ihr Ziel, den ersten Titelgewinn, erreicht.
Wolfgang Rytz

